NACHHALTIGER TOURISMUS

Die UN rief 2017 zum Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus aus.
In Sachen „ökologisch korrekter Urlaub“ haben die karibischen Inseln bereits einiges zu bieten –
von riesigen Naturparks bis hin zu Bio-Lodges in Dschungel.

Artenschutz

Immer mehr Schutzprojekte sichern heute die Artenvielfalt in der Karibik.

Auf Bonaire etwa liegt eines von nur vier Flamingo-Brutschutzgebieten weltweit. Über 10.000 Vögel nisten in den Salzpfannen im Süden der Insel. Touristen sind dort nicht erlaubt, um den Bestand der farbenprächtigsten Gattung dieser Vögel zu sichern (tourismbonaire.com).

 

Auf Aruba leben vier Arten von Schildkröten: Lederrücken-, Echte und

Unechte Karett- sowie die Grüne Meeresschildkröte. Die Organisation Turtugaruba schützt mit Nestmarkierungen die Tiere und informiert mit Vorträgen sowie Aktionen (turtugaruba.org).

 

Den Schutz der Pottwale und Delfine hat sich der Verein Pottwale e.V.

 zum Ziel gesetzt, der auf Dominica eine Forschungsstation unterhält (www.pottwale.de). Und caribwhale.org klärt über verantwortungsbewusstes Wal- und Delfinwatching auf.



Foto: PR
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Kevin Alie ist Vizepräsident des International Fund for Animal Welfare in den USA. Er stammt von der Karibikinsel Dominica.

 

Wie ist es um den Artenschutz in der Karibik bestellt?

„Es gibt positive Entwicklungen, die auf die Berichterstattung rund um den Klimawechsel zurück-

zuführen sind. Das Bewusstsein für die verheerenden Auswirkungen speziell auf so kleine Inseln wie die in der Karibik ist da, aber es muss noch viel mehr passieren. Ich wünschte mir mehr rechtliche Grundlagen, mehr Gelder und Aufklärung zum Thema Artenschutz.“

 

Welche Arten sind besonders gefährdet?

„Meeresschildkröten, seltene Vogelarten wie Aras, andere Papageien und Singvögel. Aber auch Boas, Kaimane, Land-Schildkröten und Iguanas sind bedroht.“

 

Was können Touristen zum Erhalt der Tierarten tun?

„Unterstützen Sie die lokale Wirtschaft, damit genug Geld für Artenschutz
im Land ist. Entscheiden Sie sich für Ökotourismus. Es gibt so viele tolle Veranstalter, Touren und Ziele im karibischen Raum. Schärfen Sie damit Ihr eigenes Umweltbewusstsein. Mit jeder Ökotourismus-Buchung bekommt
der Artenschutz auch bei der einheimischen Bevölkerung mehr Gewicht. Zeigen Sie Produkte von gefährdeten Arten an und seien Sie sich bewusst, dass motorisierter Wassersport die Meereswelt belastet und gefährdet.


Naturspiele

Spektakulär ist das richtige Wort, um die karibische Natur zu beschreiben. Schnappatmung bekommt man im Nationalpark Los Haitises in der Bucht von Samaná in der Dominikanischen Republik. Er ist nur per Boot zu erreichen, 208 Quadratkilometer groß und Heimat von Tausenden zum Teil endemischen Pflanzen- und 110 Vogelarten. Geführte Wandertouren sind ein unvergessliches Erlebnis (z. B. bei cultourall.com).

 

Etwas Magisches hat ein Ausflug auf die Insel Vieques in Puerto Rico zu den Bio Bays. Das bioluminiszierende Wasser verwandelt sich nachts durch Aufwirbelung in ein leuchtendes Meer (Kajaktouren z. B. über www.kayakingpuertorico.com).

 

Der Archipel von Guadeloupe wurde zum Unesco-Biosphären-Schutzgebiet  erklärt. Die Inselgruppe gehört zu den 25 artenreichsten Gebieten der Welt. 

Das Reservat Petite Terre kann mit dem Katamaran von Sain-Francois aus besucht werden (petite-terre.com).



Foto: PR
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Petra Cruz ist Europa-Direktorin des Touristboards der Dominikanischen Republik.

 

Ist die Dominikanische Republik ein Reiseziel für Ökotouristen?

„Ja, immer mehr! Der Anteil an umweltverträglichem Tourismus wird größer, was wir auch daran sehen, dass die Hotelbelegung in der Region Samaná im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gestiegen ist. Samaná ist das Tor zu den meisten Naturschauspielen unseres Landes. Bei den Walbeobachtungsgästen haben wir ein Plus von fünf Prozent.“

 

Welche Umweltschutzprojekte liegen Ihnen am Herzen?

„Ich bin begeistert von dem Projekt walfluesterer.de. Über das Internet wird alljährlich ein Volunteer gesucht, der vier Wochen in der Bucht von Samaná die Arbeit der Experten zum Schutz der Buckelwale unterstützt und dokumentiert.“

 

Haben Sie 2017 besondere Aktivitäten anlässlich des „Jahres des nachhaltigen Tourismus“ durchgeführt?

„Wir haben jetzt dank verbesserter Infrastruktur einen Zugang zur Bergkette Loma Redonda, die atemberaubende Ausblicke bietet. Aber auch auf Vorträgen und Messen haben wir uns immer weiter für nachhaltigen Tourismus und biologische Vielfalt eingesetzt. Das Umweltbewusstsein unserer Bevölkerung steigt mit dem der Touristen, die unser Land besuchen. Aufklärung ist für beide Seiten wichtig.“


Ökotourismus

Es gibt auf jeder Insel unzählige Anbieter, die Urlaubern die Schönheiten ihres Landes mit Rücksicht auf die Natur zeigen.

 

Das älteste Öko-Tourismusprojekt Kubas etwa, Las Terrazas, liegt im Biospärenreservat Sierre del Rosario. Besucher können hier reiten, wandern und kajaken. Gewohnt wird in rustikalen Hütten oder in einem hübschen Hotel im Hacienda-Stil (lasterrazas.cu).

 

Ob Ihre gebuchte Unterkunft ökofreundlich ist, erfahren Sie bei Green Globe, einer Organisation, die Zertifikate für Nachhaltigkeit im Tourismus vergibt. Kleine Auswahl gefällig? Mit dabei sind das Bucuti & Tara Beach Resort auf Aruba, das Morena Eco Resort auf Curaçao und das Spice Island Beachresort auf Grenada.

 

Eine kleine Eco-Hotelperle ist das Natura Cabana bei Cabarete in der  Dominikanischen Republik: Die Edelhütten aus Naturmaterialien stehen in dichter Vegetation nah am Strand (naturacabana.com).

 

Deutsche Veranstalter bieten auch nachhaltige Aktivurlaube an, zum Beispiel Trekking, Kayaking und Canyoning auf Guadeloupe mit Unterbringung in Ökolodges (z. B. aventoura.de).



Foto: Kurt Legner Privat
Foto: Kurt Legner Privat

Der Deutsche Kurt Legner baut in Ponce auf Puerto Rico Kaffee und Obst an. Außerdem öffnet er seine Plantage für Öko- und Agrotourismus.

 

Wie bauen Sie Ihren Kaffee an?

„Soweit wie möglich nach ökologischen Richtlinien, aber nicht immer geht das. Zum Beispiel beim Düngen. Kaffee braucht ein feuchtes Klima und regelmäßigen Regen. Puerto Rico hat ideale Bedingungen dafür. Mein Kaffee ist shade grown, was bedeutet, dass er unter Bäumen im Schatten wächst. So braucht er weniger Bewässerung und wirkt der Bodenerosion entgegen. Diese Art des Kaffeeanbaus ist auch vogelfreundlich, was hier natürlich eine große Rolle spielt.“

 

Was ist das Besondere an Ihrem Kaffee?

„Ich kann wegen der hohen Prouktionskosten keine großen Mengen erzeugen und setze daher auf exzellente Qualität. Mein Kaffee ist mild, bekömmlich und etwas süßlich im Geschmack. Er hat Aromen von Schokolade, Pfirsich und Pinie.“